Umfrage: Europäer schränken Handy-Nutzung wegen Roaming-Gebühren ein

Abschaffung der Roamingentgelte bringt 300 Millionen zusätzliche Kunden

19. Februar 2014

94 Prozent der Europäer schränken ihre Mobilfunk-Nutzung wegen der anfallenden Roaming-Gebühren ein, wenn sie im Ausland unterwegs sind. Das hat eine neue Umfrage unter 28.000 EU-Bürgern ergeben, welche die EU-Kommission am Montag vorgestellt hat. Die Europäische Kommission geht davon aus, das sich die Telekommunikationsunternehmen wegen ihrer derzeitigen Preisgestaltung einen Markt von ungefähr 300 Millionen Handynutzern entgehen lassen.

Insbesondere bei mobilen Datendiensten sind die europäischen Mobilfunknutzer zurückhaltend. Fast jeder zweite Europäer (47 Prozent) würde niemals mobile Internetdienste in einem anderen EU-Land nutzen. In Deutschland sind es sogar 57 Prozent. Mehr als ein Viertel der Reisenden (28 Prozent) schalten einfach ihr Handy aus, sobald sie in ein anderes EU-Land kommen. Die Deutschen liegen mit 33 Prozent bei dieser Frage sogar über dem EU-Durchschnitt. Nur 8 Prozent der Reisenden telefonieren mit ihrem Handy im Ausland genauso wie zuhause.

Vielreisende schalten die Datenroaming-Dienste ihres Mobiltelefons sogar eher ab (33 Prozent) als gelegentlich Reisende (16 Prozent), so ein Ergebnis der Umfrage. Grund dafür ist nach Ansicht der EU-Kommission, dass Vielreisende einfach besser über die tatsächlichen Datenroaming-Kosten in Europa informiert sind.

»Ich bin wirklich von diesen Zahlen geschockt«, sagte Neelie Kroes, Vizepräsidentin der Europäischen Kommission. »Sie zeigen, dass wir endlich ganze Arbeit leisten und Roamingentgelte abschaffen müssen. Die Verbraucher schränken ihre Handynutzung auf extreme Weise ein, und davon haben auch die Unternehmen nichts.«

Roaming-Gebühren belasten nicht nur die Urlaubskasse sondern steigert auch die Kosten für Unternehmen, deren Mitarbeiter geschäftlich in der EU unterwegs sind. Durch die geringe Nutzung der Dienste würden zudem auch die Dienste-Anbieter leiden, so die EU-Kommission. »Roaming hat keinen Sinn in einem Binnenmarkt und ist auch wirtschaftlich kurzsichtig«, fügt Kroes hinzu.

Die EU-Kommission hat bereits im letzten Jahr einen Gesetzesvorschlag vorgelegt, um einen Binnenmarkt für Telefonanrufe und die Internetnutzung zu schaffen. Demnach sollen Kunden ab 2016 ihre Handys und Smartphones auf Reisen innerhalb der Union zu Inlandspreisen benutzen können - das so genannten «Roaming zu Inlandspreisen». Mit den bestehenden Vorschriften haben die Verbraucher ab Juli 2014 das Recht, auf Reisen im Ausland die billigeren Roaming-Dienste eines lokalen Betreibers oder eines heimischen Konkurrenten zu benutzen, ohne die SIM-Karte wechseln zu müssen.

 
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