Bundesnetzagentur: Mobilfunk-Frequenzauktion beendet

Ergebnisse und Stimmen zur Frequenzversteigerung

19. Juni 2015

Die Mobilfunk-Frequenzauktion ist beendet. Dies gab die Bundesnetzagentur bekannt. Nach 16 Auktionstagen und 181 Runden sind Frequenzen in den Bereichen 700 MHz, 900 MHz, 1500 MHz und 1800 MHz für insgesamt 5.081.236.000 Euro, also knapp über 5 Milliarden Euro, versteigert worden. Alle drei Unternehmen - Telefónica Deutschland, Telekom Deutschland und Vodafone - haben verschiedene Frequenzen gesichert.

Die Ergebnisse der Frequenzauktion

Im Frequenzbereich um 700 MHz (Digitale Dividende II) haben alle drei Telekommunikationsunternehmen jeweils zwei Frequenzblöcke (2x 10 MHz) ersteigert. Insgesamt haben die Anbieter dafür 1.000.445 Euro ausgegeben. Die 700er-Frequenzen, die derzeit noch für den terrestrischen TV-Empfang (DVB-T) genutzt werden, werden mit der Umstellung auf DVB-T2 von 2019 an vollumfänglich für den Mobilfunk nutzbar.

Im Bereich um 900 MHz, also bei den klassischen GSM-Frequenzen, hat die Telekom drei Frequenzblöcke ersteigert und kann künftig 2x 15 MHz nutzen. Telefónica behält den 2x 10 MHz Spektrum. Vodafone muss künftig in diesem Frequenzbereich mit ebenfalls 2x 10 MHz auskommen, statt wie bisher 2x 12,4 MHz.

Veränderungen gibt es im 1800 MHz Bereich. Die Telekom kann in diesem Frequenzbereich künftig 2x 15 MHz nutzen, statt wie bisher 2x 5 MHz. Vodafone erhält in diesem Bereich 2x 25 MHz; bislang nutzte der Netzbetreiber hier nur 2x 5,4 MHz. Telefónica muss dagegen einige Frequenzbereiche um 1800 MHz künftig frei machen. Der Netzbetreiber hat nur 2x 10 MHz ersteigert. Bislang standen dem Unternehmen hier für GSM 2x 34,8 MHz Frequenzen zur Verfügung.

Im 1500 MHz Bereich sichern sich Telekom und Vodafone jeweils 1x 20 MHz Blöcke. Telefónica geht in diesem Frequenzbereich leer aus.

Reaktionen der Mobilfunkanbieter

Die Mobilfunkanbieter zeigen sich mit den Ergebnissen der Frequenzauktion zufrieden.

»Wir haben ein werthaltiges Frequenzpaket erworben, das das bestehende Spektrum gut ergänzt«, so Telefónica-CEO Thorsten Dirks. Mithilfe des Spektrums bei 700 MHz und 1,8 GHz will das Unternehmen die LTE-Versorgung sowohl in Großstädten als auch auf dem Land weiter verdichten. Dazu kommen Frequenzen bei 800 MHz, die das Unternehmen 2010 erworben hatte. Mit den ersteigerten Blöcken im 1800-MHz-Bereich will die Telefónica zudem die Kapazität des Netzes nochmals erweitern. Dadurch sollen die Kunden von deutlich höheren LTE-Geschwindigkeiten profitieren. Die Blöcke im 900-Megahertz-Bereich sollen die Qualität des bundesweiten GSM-Netzes für Sprache, SMS und schmalbandige Internetverbindungen sicherstellen. Telefónica Deutschland für die neuen Frequenzbereiche 1,198 Mrd. Euro investiert.

Vodafone hat nach eigenen Angaben die meisten und vor allem sehr wertvolle Frequenzen gesichert. Die Frequenzen im 700-MHz-Frequenzbereich eignen sich aufgrund ihrer Reichweite und der guten Gebäudeverfügbarkeit für eine flächendeckende Versorgung mit leistungsfähigem mobilen Breitband, so Vodafone. Die Frequenzen im 900-MHz-Band wurden bereits in der Vergangenheit für die flächendeckende Sprachtelefonie genutzt und stellen auch zukünftig einen wichtigen Baustein der Netzstrategie für Sprach- und Datendienste dar. Mit den ersteigerten Mobilfunkfrequenzen im 1,8 GHz- und 1,5 GHz-Bereich können die Geschwindigkeiten und Kapazitäten für den mobilen Datentransfer in den Städten und in ländlichen Regionen weiter erhöht werden, erklärte Vodafone weiter. Insgesamt hat der Telekommunikationskonzern 2,09 Milliarden Euro in der Frequenzauktion investiert.

Auch die Deutsche Telekom ist sich sicher, mit den ersteigerten Frequenzen ihren Kunden »weiterhin das beste Mobilfunknetz zu bieten«. Mit den Frequenzen im 1500 und 1800 MHz Band könne in erster Linie die Breitbandversorgung in Städten und Ballungsgebieten vorangetrieben werden. »Hier haben wir die Frequenzen ersteigert, die wir für unseren weiteren Breitbandausbau und die steigenden Bedürfnisse unserer Kunden benötigen«, sagte Niek Jan van Damme, Vorstandsmitglied der Deutschen Telekom AG und Chef der Telekom Deutschland GmbH, zum Abschluss der Versteigerung. Die im 700 MHz Band ersteigerten Blöcke eignen sich besonders, um auch im ländlichen Raum unsere Kunden mit noch mehr mobiler Bandbreite zu versorgen. Insgesamt hat die Deutsche Telekom für die neuen Frequenzen knapp unter 1,8 Mrd. Euro investiert.

Der Digitalverband BITKOM bewertet die Auktion insgesamt als großen Erfolg. »Mit dem Abschluss der Frequenzauktion wird der Weg für das mobile Internet der nächsten Generation geebnet«, sagte BITKOM-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder. Die Frequenzen ermöglichen in Verbindung mit neuen Mobilfunkstandards wie LTE-Advanced oder 5G deutlich höhere Übertragungsgeschwindigkeiten sowie geringere Latenzzeiten und damit völlig neue Anwendungen. Außerdem profitierten die Verbraucher von spürbaren Verbesserungen beim mobilen Surfen.

Der Branchenverband VATM hat sich nach dem Ende der Mobilfunk-Frequenzauktion für einen zügigen, wettbewerbskonformen und nachhaltigen Einsatz des Erlösanteils für die Breitband-Förderung ausgesprochen. Der Erlös aus der Versteigerung soll nach Abzug der Umstellungskosten für den Rundfunk zur Hälfte zwischen Bund und Ländern aufgeteilt werden und vollständig in den Breitbandausbau im Festnetz beziehungsweise in die Digitalisierung fließen. Nun komme es darauf an, die 1,33 Milliarden Euro aus den Erlösen der Digitalen Dividende II (700-MHz-Frequenzen) und der 1500er-Frequenzen, richtig einzusetzen. »Es darf jetzt beim Einsatz der Fördermittel nicht zu Wettbewerbsverzerrungen kommen. Sie müssen zu einem Teil auch in die Verbesserung des mobilen Breibandnetzes und nicht allein des Festnetzes fließen - zum Beispiel in die Anbindung von Sendemasten auf dem Lande mit Glasfaser«, betont VATM-Geschäftsführer Jürgen Grützner.

 
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