VATM-Studie: Deutschland telefoniert weniger

Datenvolumen in Festnetz und Mobilfunk steigen weiter deutlich

19. Oktober 2016

Seit 2012 telefonieren die Nutzer in Deutschland weniger. 2016 sind es insgesamt 940 Millionen Minuten täglich (7 Millionen Minuten pro Tag weniger). Diese Zahl fasst die Nutzung im Festnetz und Mobilfunk zusammen und stammt von Prof. Dr. Torsten J. Gerpott. Der TK-Experte stellte am Mittwoch die Ergebnisse der 18. gemeinsamen TK-Marktstudie von DIALOG CONSULT und VATM in Berlin vor.

Das besondere dabei: Erstmals wird in diesem Jahr weniger via Mobilfunk gesprochen als im Vorjahr - 9 Millionen Minuten täglich weniger. Software-basierte OTT-Telefonie-Anwendungen, wie zum Beispiel Skype, Anrufe via WhatsApp und andere Dienste, gewinnen insgesamt weiter an Bedeutung. Sie kommen laut Studie auf rund 250 Millionen Minuten täglich - ein Plus von 19 Millionen gegenüber 2015. Gleichzeitig sorgen die Software-basierten Telefonate auch für ein höheres Datenvolumen in den Mobilfunknetzen.

VATM-Studie: Deutschland telefoniert weniger
Studie: Deutschland telefoniert weniger (Bild: iStockphoto.com/Tatsianama)

Erstmals wird weniger mit dem Handy telefoniert

Täglich verbringen Nutzer in Deutschland hunderte Millionen Minuten am Telefon – ganz gleich, ob aus dem Festnetz, im Mobilfunknetz oder über Software-Programme auf PC oder Smartphone: Rund 940 Millionen Minuten werden die Kunden der Telco-Unternehmen 2016 täglich telefonieren, schätzen die Macher der Studie. Allein 302 Millionen Minuten davon werden von Mobilfunknutzern gesprochen. Im vergangenen Jahr waren es noch 311 Millionen. Damit nimmt die Zahl der Verbindungsminuten aus Mobilfunknetzen in diesem Jahr erstmals leicht ab, so dass sich auch der einst sehr starke Trend weg vom Festnetz hin zum Mobilfunk insgesamt abschwächt. Die Anzahl der in Festnetzen generierten Minuten geht 2016 auf 388 Millionen Minuten pro Tag zurück (2015: 405 Millionen Minuten täglich).

»Die Rückgänge werden nur teilweise über OTT-Anbieter aufgefangen, die keine Anschlüsse vermarkten«, erläutert Studienautor Prof. Gerpott. Offensichtlich werde die Sprachtelefonie trotz einer weiten Verbreitung von Sprach-Flatrates mittlerweile durch andere Kommunikationsformen ersetzt, heißt es weiter.

Das Gesamt-Datenübertragungsvolumen im Mobilfunkbereich steigt auch in 2016 an. die Studie bescheinigt ein Plus in Höhe von 31 Prozent auf 774 Millionen Gigabyte (GB). Damit hat sich das Gesamtvolumen seit 2011 mehr als versiebenfacht. Das durchschnittliche Datenvolumen pro SIM-Karte beträgt 2016 mit 510 MB pro Monat voraussichtlich 22,9 Prozent mehr als 2015. 2011 lag dieser Wert noch bei 76 Megabyte.

Zum Vergleich das Datenvolumen im Festnetz: Das pro Breitbandanschluss und Monat erzeugte Datenvolumen nimmt dieses Jahr um zirka 17 Prozent auf 37 Gigabyte zu, so die Studie. Das Gesamtvolumen im Jahr wird – mit einer Steigerung um ein Fünftel (20 Prozent) – voraussichtlich 13,8 Milliarden Gigabyte betragen.

Volumenentwicklung Breitband-Internetverkehr Festnetz
Volumenentwicklung Breitband-Internetverkehr Festnetz
(Quelle: DIALOG CONSULT-/VATM-Analysen und -Prognosen, Bild: VATM)

Anschluss-Zahlen im Mobilfunk

Zum Jahresende wird es laut Studie rund 128,1 Millionen SIM-Karten der Netzbetreiber in Deutschland geben. Das sind rund 3,4 Millionen mehr als im Vergleich zum Vorjahr, dabei teilen sich die drei Mobilfunkanbieter den Markt nahezu gleichmäßig. Der Anteil der Telekom beträgt 32,7 Prozent, Vodafone hält einen Marktanteil von 33,3 Prozent und Telefónica 34,0 Prozent. Fast unverändert ist mit 53,5 Prozent der Anteil der Postpaid-Karten an den SIM-Karten, 2015 waren es 52,9 Prozent.

Die von Wettbewerbern vermittelten Sprachminuten nehmen 2016 erneut ab

Im Festnetz-Bereich schaut die Studie vor allem auf die Daten der Telekom-Mitbewerber. 2016 telefonieren die Kunden der Wettbewerber durchschnittlich rund 193 Millionen Minuten via Festnetz täglich, so das Ergebnis. Seit einigen Jahren nehmen die Sprachminuten, die von den Wettbewerbern vermittelt werden, kontinuierlich ab. Entsprechend ist auch der Anteil von Call-by-Call und Preselection weiter zurückgegangen. Im Jahr 2016 telefonierten die Nutzer dieser Dienste dennoch täglich 13 Millionen Minuten, dies entspricht einem Sprach-Minutenvolumen von fast sieben Prozent bei den Wettbewerbern. Die Nutzung der Sparvorwahlen in Relation zu den Telekom-Anschlüssen ohne Flatrates entspricht mit 81,9 Verbindungsminuten pro Anschluss und Monat dem Stand von 2012.

Gesamtmarkt Wettbewerber Sprachdienste aus Festnetzen nach Verbindungsminuten
Gesamtmarkt Wettbewerber Sprachdienste aus Festnetzen nach Verbindungsminuten
(Quelle: DIALOG CONSULT-/VATM-Analysen und -Prognosen, Bild: VATM)

»Die Bedeutung von Call-by-Call hat die BNetzA erkannt und in ihren aktuell in der Konsultation befindlichen Entwürfen zu der maßgeblichen Marktanalyse sowie Regulierungsverfügung erneut eine entsprechende Verpflichtung der Telekom für die nächsten Jahre aufgenommen. Explizit betont die BNetzA die Bedeutung für Wettbewerb, Verbraucher und das spezielle Segment der Geschäftskundenangebote«, informiert Prof. Gerpott.

Breitband-Anschllüsse im Festnetz

Die Gesamtzahl der Breitbandanschlüsse wächst 2016 leicht um knapp eine halbe Million (+ 1,6 Prozent). Deutlich gewachsen ist 2016 der Anteil der FTTB/H-Anschlüsse, die – wenn auch noch auf niedrigem Gesamtniveau – eine Steigerung von 40 Prozent verzeichneten (Abb. 12). Die Kabelnetzbetreiber verbuchen ebenso wie die Telekom ein Plus von 0,4 Millionen Anschlüssen. Bei den Vorleistungsvarianten Resale legt die Telekom erneut um 0,6 Millionen Anschlüsse zu. Die Wettbewerber verlieren 1,1 Millionen TAL-basierte DSL-Anschlüsse und legen zum Teil aufgrund der Vectoring-Verdrängung bei Bitstrom um 0,6 Millionen zu, so dass unter dem Strich eine halbe Million DSL-Anschlüsse wegfallen. Das Wachstum bei den echten Glasfaseranschlüssen (FTTB/H) um 0,2 Millionen Anschlüsse kann diesen Verlust nicht kompensieren. Bei den stationären Breitbandanschlüssen (24,1 Millionen), die nicht auf Kabelnetze zurückgreifen, dominiert die Telekom mit einem Anteil von 69,7 Prozent den Markt (inkl. DSL Telekom Resale).

 
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