Telefónica Deutschland startet Self Organizing Network

Mobilfunknetz soll sich künftig selbst optimieren

21. April 2017

Telefónica Deutschland hat mit Self Organizing Network (SON) eine neue Technologie in ihrem Mobilfunknetz eingeführt. Wie das Unternehmen mitteilte, soll diese Technologie das Mobilfunknetz »eigenständig, zeitnah und flexibel an veränderte lokale Gegebenheiten anpassen« können. Damit könne der Mobilfunkanbieter schneller auf Engpässe und Ausfälle reagieren.

Telefónica Mobilfunknetz

Das Self Organizing Network soll seine vollen Stärken vor allem bei der aktuellen Integration der Netze von O2 und E-Plus ausspielen können. Das SON soll künftig automatisch Verkehrslasten im GSM (2G), UMTS (3G) und LTE (4G) Netz dynamisch steuern. Dadurch sollen Überlastungen reduziert und Abdeckungslücken durch den temporären Ausfall einer Mobilfunkstation automatisch verbessert werden können. Bisher sei dies nur durch die manuelle Änderung von Parametern durch Techniker möglich gewesen. Nun soll die SON-Software dies automatisch erledigen.

»Mit der Software werden wir unser Netz noch besser optimieren und zu jeder Zeit automatisch und flexibel an den tatsächlichen Kundennutzen anpassen können«, so Cayetano Carbajo Martin, Chief Technology Officer von Telefónica Deutschland. außerdem erlaube Self Organizing Networks eine vereinfachte Integration von neuen Mobilfunkanlagen.

Damit das Netz sich automatisch anpassen kann, wird kontinuierlich eine Vielzahl an Parametern im Netz erfasst und analysiert, erklärt Telefónica. Die aktuellen Netzdaten werden »in relativ kurzen Intervallen« erhoben, untersucht und mit Anpassungen in das Netz zurückgespielt. Die hierzu notwendigen SON-Module werden stufenweise in das Netz von Telefónica Deutschland eingeführt.

SON-Module im UMTS-Netz

In einem ersten Schritt hat Telefónica Deutschland das Self Organizing Network für die Optimierung der Beziehungen zwischen benachbarten Mobilfunkstationen im UMTS-Netz eingeführt – der sogenannten Nachbarschaftsplanung und -pflege. Bereits im Jahr 2014 habe das Unternehmen begonnen, die automatische Nachbarschaftsplanung von verschiedenen SON-Herstellern im Rahmen von Pilotprojekten in Berlin und Nürnberg zu testen, erklärt Telefónica. Nach dem Erfolg dieser Tests erfolgte nun die endgültige Inbetriebnahme des Self Organizing Networks in Deutschland.

Weitere Module, die Überlasten, Ausfälle oder Überreichweiten erkennen und beinahe in Echtzeit darauf reagieren können, seien in Planung. Bereits heute ist eine Lastverteilung aktiv, die Kunden bei einer drohenden Überlastung innerhalb einer LTE-Funkzelle ohne Performance-Einbußen auf UMTS verschiebt. Die Smartphones kehren von selbst auf LTE zurück, sobald die Technologie wieder frei und verfügbar ist, erklärt Telefónica.

Self Organizing Network unterstützt Netzintegration

Die neue Technologie soll auch die Netzintegration bei Telefónica unterstützen. Bei den laufenden Konsolidierungsarbeiten der Netze von O2 und E-Plus müssen vorgenommene Veränderungen in den Einstellungen des Netzes permanent nachgehalten werden, so der Netzbetreiber. Diese Aufgabe könne durch den Start des Self Organizing Networks künftig automatisiert ablaufen. Telefónica beschreibt den Ablauf wie folgt:

»Werden im Zuge der Integrationsarbeiten neue, zusätzliche Standorte im Netz hinzugefügt, übernimmt das Self Organizing Network die notwendigen Konfigurationen, um sich mit benachbarten Mobilfunkstationen zu verbinden. Dabei werden die einzelnen Parameter so definiert, dass Kunden vor Ort stets das bestmögliche Netz zur Verfügung steht.«

Die Fähigkeit des Self Organizing Networks, das Verhältnis zu Nachbarknotenpunkten oder Nachbarfunkzellen unmittelbar anpassen zu können, trägt zu einer stabileren Versorgung bei: Fällt beispielsweise an einem Standort eine Basisstation aus, kann die entstandene Abdeckungslücke durch die automatische Umkonfiguration der Nachbarknoten bestmöglich wieder gefüllt werden. Dafür werden die Stationen in der unmittelbaren Nachbarschaft neu definiert. Andererseits können Kapazitäten bei einem besonders hohen Bedarf – etwa während Stadtfesten – flexibel erhöht werden. Zukünftig will Telefónica Deutschland immer mehr Optimierungsmaßnahmen an das Self Organizing Network übergeben, um das eigene Netz noch flexibler und bedarfsgerechter zu gestalten.

Bild: Telefónica / Collage: tarif4you.de

 
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