Chip Mobilfunk-Netztest: Telekom holt den Gesamtsieg

Deutliche Verbesserung bei O2

26. November 2018

Zum Ende des Jahres hat die Zeitschrift Chip die Ergebnisse des diesjährigen Mobilfunk-Netztests veröffentlicht. Zusammen mit Partner NET CHECK hat Chip wieder die Qualität der deutschen Netzbetreiber unter die Lupe genommen. Für Überraschungen sorgte O2 Telefónica: Erstmals seit der Vereinigung mit E-Plus im Jahr 2013 stieg die Leistung des Anbieters um deutliche 17,5 Prozent (Gesamtnote 2,2). Testsieger wurde jedoch, wie im Vorjahr, die Deutsche Telekom mit der Gesamtnote 1,36. Vodafone (1,46) liegt mit nur geringem Abstand auf dem zweiten Platz und erhält von CHIP erstmals die Note »Sehr gut«.

Telefónica erreicht die Note »gut« im CHIP-Netztest
Telefónica Deutschland erreicht die Note »gut« im CHIP-Netztest (Bild: Telefónica)

Laut den Testern wird O2 »langsam, aber sicher zur ernsthaften Alternative zu Telekom und Vodafone«. Besonders auffällig ist die Verbesserung in den Städten, wo O2 teilweise sehr gute Werte erreicht. Insgesamt verbesserte sich das Mobilfunknetz von Telefónica Deutschalnd gegenüber dem Vorjahr um 17,49 Prozent - ein »Quantensprung« laut CHIP. In Zukunft könnten die Marktbegleiter vor allem bei der Preisgestaltung unter Druck geraten, da Tarifangebote im O2-Netz in der Regel deutlich billiger sind als bei der Konkurrenz.

Komfortables Telefonieren – wenn der LTE-Ausbau stimmt

In den Netzen von Telekom und Vodafone stellt der Einsatz von VoLTE (Voice over LTE) mit EVS (Enhanced Voice System) den Normalfall dar. Der durchschnittliche Rufaufbau dauert im CHIP-Netztest schnelle 3,94 Sekunden (Telekom) und 3,98 Sekunden (Vodafone). Beide Provider erzielen sehr gute Werte bei der Sprachqualität und liegen bei einem POLQA MOS von 4,39 (Telekom) sowie 4,36 (Vodafone). Der Perceptual Objective Listening Quality Assessment (POLQA) gibt den Punktewert MOS aus. Die zu erreichende Höchstpunktzahl liegt bei 5 und bezeichnet die ideale Gesprächsqualität – als würde man die Stimme in HiFi-Qualität von einer CD hören.

o2 befinde sich laut den Testern technisch auf Augenhöhe mit der Konkurrenz. Allerdings bekommen die Kunden die neueste Technik nicht überall angeboten: Die VoLTE-Abdeckung liegt bei nur 82 Prozent, während Telekom und Vodafone einen Anteil von über 96 Prozent aufweisen. Auch dadurch dauert der Rufaufbau (5,82 Sekunden) länger.

»Auffallend ist, dass die Netzbetreiber inzwischen immer häufiger Frequenzbereiche für LTE nutzen, die sie eigentlich für ältere Funktechniken wie UMTS oder GSM ersteigert hatten«, so Wolfgang Pauler, Testchef von CHIP. Vodafone führe das am konsequentesten durch. So fanden im CHIP-Test 6,8 Prozent aller Up- und Downloads per LTE im 2.100-MHz-Frequenzband statt, das normalerweise für 3G/UMTS verwendet wird.

Städter im Vorteil, Zugfahrer müssen Abstriche machen

Vor allem in den Städten ist der Mobilfunk hervorragend ausgebaut. Telekom und Vodafone nähern sich mit 99 Prozent fehlerfreien Telefonaten einem nahezu perfekten Ergebnis. CHIP wertete den Empfang in fünf Großstädten gesondert aus: Berlin, Frankfurt, Köln, Hamburg und München. Die ersten drei Metropolen gewinnt die Telekom, in Hamburg und München hat Vodafone ganz knapp die Nase vorn. Hier erzielt auch O2 erstmals eine sehr gute Note. Hamburg besticht insgesamt mit der besten Netzqualität.

An stark frequentierten Plätzen in den Großstädten, etwa dem Brandenburger Tor oder dem Münchner Marienplatz, reduziert sich der Abstand von O2 (1,9) zu Vodafone (1,7) deutlich. Außerhalb der Städte bietet O2 allerdings ein Kontrastprogramm: Auf Landstraßen und Autobahnen scheiterten rund 8,4 Prozent der Dateitransfers. Nur in neun von zehn Fällen gelang der Upload eines Fotos zu Facebook. Vodafone und Telekom dagegen erzielen mit ca. 99 Prozent nur marginal schlechtere Ergebnisse als bei den Messungen in den Städten.

In puncto Netzqualität in Zügen können sich alle Anbieter noch verbessern. Das erfolgreiche Vorbild ist die Schweiz: Dort ist die Netzqualität entlang der Gleise dank moderner Mobilfunktechnik durchaus mit der in den Städten vergleichbar. Ein kleiner Lichtblick: Zug-Spitzenreiter Vodafone nähert sich hier langsam einer guten Bewertung an, so CHIP.

Der CHIP-Netztest in Zahlen

Zum neunten Mal machten sich die Experten von NET CHECK auf den Weg durch Deutschland. Zwei Teams fuhren mit dem Auto 10.540 Kilometer Strecke ab. In den Dachboxen maßen 18 Smartphones vom Typ Sony Xperia XZ Premium das Tempo und die Kapazität der deutschen Netze. Der Benchmarker II von Rohde & Schwarz Mobile Network Testing sammelte die Daten. Zwei andere Teams waren mit dem Rucksack-System Freerider III (ebenfalls von Rohde & Schwarz) unterwegs. Sie legten 650 Kilometer durch Innenstädte und 3.112 Kilometer mit dem Zug zurück, verbrachten mehr als 112 Stunden an stark besuchten Punkten der Metropolen. Insgesamt erhoben die Tester über 390.000 Daten-Samples.

Das gesamte Testergebnis finden Sie ab dem 26. November unter chip.de/netztest sowie in der CHIP 01/2019. Das Magazin ist ab dem 30. November 2018 erhältlich.

Stellungnahmen der Mobilfunkanbieter

Die Deutsche Telekom freut sich über den neunten Gesamtsieg im Mobilfunk-Netztest von CHIP. »Das tolle Ergebnis – beim Telefonieren wie beim Surfen, in den Städten wie auf dem Land – bestätigt unsere harte Arbeit für unsere Kunden«, sagt Walter Goldenits, Technikchef der Telekom Deutschland. Die Top-Werte im Test beim Datentransfer begründet die Telekom damit, dass die Mobilfunkmasten der Telekom zu großen Teilen bereits mit Glasfaser direkt angeschlossen sind. Die Konkurrenz würde häufiger auf Richtfunk als Anbindung zurückgreifen, so das Unternehmen.

Auch die Telefónica freut sich über den Sprung um fast eine ganze Wertungsnote gegenüber dem Vorjahr (von 3,1 auf 2,2). Gleichzeitig kündigt Telefónica Deutschland für das kommende Jahr weitere Verbesserungen bei der Netzqualität an. Zu den guten Testergebnissen haben insbesondere die Fortschritte der Netzintegration von O2 und E-Plus beigetragen, die für Telefónica Deutschland in diesem Jahr im Fokus stand. Parallel dazu hat Telefónica Deutschland in diesem Jahr diverse Netzausbaumaßnahmen vorangetrieben und neue LTE-Stationen errichtet. Allein in den ersten neun Monaten 2018 sollen es bundesweit rund 5.000 zusätzliche LTE-Stationen gewesen sein. 2019 will sich das Unternehmen komplett auf die Netzoptimierung und den flächendeckenden LTE-Netzausbau konzentrieren, auch entlang von Autobahnen und Zugstrecken.

Quellen: Mitteilung von CHIP sowie Mitteilungen der Deutschen Telekom und von Telefónica Deutschland

 
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