Abschaffung der EU-Roaming-Gebühren unter die Lupe genommen

Ab 2016 werden Inlandspreise mit geringen Aufschlägen berechnet

15. Juli 2015

Die Roaming-Gebühren in der EU sollen 2017 abgeschafft werden. Am 30. Juni haben sich Vertreter der EU-Staaten und des Europaparlaments auf eine Regelung geeinigt: Ab 15. Juni 2017 werden Mobilfunk-Nutzer im EU-Ausland zu gleichen Preisen telefonieren, im Internet surfen und SMS schreiben, wie zuhause (wir berichteten). Doch was passiert in der Zwischenzeit? Wir haben die geplanten Regelungen für die kommenden zwei Jahre genauer angeschaut.

EU schafft Roaming-Gebühren im Sommer 2017 ab

Keine Änderungen bei Roaming-Gebühren 2015

Bislang gab es jeden Sommer eine Absenkung der Roaming-Gebühren. In diesem Sommer bleiben die Obergrenzen für Roaming-Preise im EU-Ausland jedoch unverändert. Das bedeutet für die Nutzer, dass sie maximal 19 Cent pro Minute für abgehende Gespräche, 5 Cent pro Minute für ankommende Gespräche und 6 Cent für den SMS-Versand in der EU zahlen. Für die Nutzung von mobilen Daten dürfen weiterhin maximal 20 Cent pro Megabyte (MB) berechnet werden. Diese Preise verstehen sich jeweils zzgl. Mehrwertsteuer. Die deutschen Mobilfunkkunden zahlen im EU-Ausland also weiterhin maximal 22,61 Cent/Minute für abgehende Telefonate innerhalb der EU, 5,95 Cent/Minute für ankommende Gespräche, 7,14 Cent pro SMS und 23,80 Cent pro MB.

Neue Regelung ab 2016

Bereits ab April 2016 soll eine Zwischenregelung als eine Vorstufe der neuen Roaming-Regelungen ab Sommer 2017 gelten. Viele Medien haben, berichtet dass dann maximal 5 Cent pro Minute und 2 Cent pro SMS sowie 5 Cent pro MB berechnet werden, jeweils zzgl. Mehrwertsteuer. Viele Leser haben sich auf die extrem günstigen Preise im EU-Ausland gefreut. Doch in den offiziell von der EU veröffentlichten Dokumenten, auf die sich alle Zeitungen, Zeitschriften und Online-Meiden berufen, steht etwas ganz anderes (!):

»As from April 2016 [...] operators will be able to charge a small additional amount to domestic prices up to €0.05 per minute of call made, €0.02 per SMS sent, and €0.05 per MB of data (excl. VAT).«, steht in dem vom EU-Kommissar Günther H. Oettinger auf Twitter verlinkten und von der EU Kommission am 30.06.2015 veröffentlichten »Fact Sheet« zum Thema.

Auch in der deutschsprachigen Mitteilung vom selben Tag heißt es:

Schon von April 2016 an wird Roaming günstiger: Die Betreiber können auf die national geltenden Tarife nur noch geringe zusätzliche Gebühren erheben, diese betragen (ohne Mehrwertsteuer): 0,05 Euro pro Minute eines Anrufs, 0,02 Euro für jede gesendete SMS und 0,05 Euro pro Daten-MB.

Inzwischen wurde auch ein offizielles Papier mit allen Änderungsvorschlägen zu den seit 2013 (!) diskutierten Pläne zur Abschaffung der Roaming-Gebühren veröffentlicht. In diesem Dokument (PDF) wird nochmal festgehalten, dass das Ziel der Romaing-Abschaffung sei, den Preisunterschied zwischen inländischen Mobilfunkpreisen und den Preisen im Roaming innerhalb der EU auf Null reduziert werden soll. In der Zwischenzeit, also vom 30. April 2016 bis 14. Juni 2017 dürfen Mobilfunkanbieter noch einen Aufpreis zusätzlich zu den nationalen Preisen berechnen:

»From 30 April 2016 until 14 June 2017, roaming providers may apply a surcharge in addition to domestic retail price for the provision of regulated retail roaming services.«

Beispiel-Rechnung für 9-Cent-Prepaid-Tarif

Machen wir also eine Rechnung für einen hierzualnde üblichen Prepaid-Tarif mit einheitlichen 9 Cent pro Minute und SMS sowie 24 Cent pro MB. Diese Preise sind inkl. MwSt., also rechnen wir zunächst die neuen Aufschläge um: Ab April 2016 dürfen deutsche Mobilfunkanbieter nach den Plänen der EU maximal 5,95 Cent/Minute und 2,38 Cent/SMS sowie 5,95 Cent/MB jeweils zusätzlich zu den nationalen Preisen berechnen. In unserem Beispiel bedeutet dies, dass die Prepaid-Kunden mit einem solchen Tarif künftig im EU-Ausland 14,95 Cent/Minute, 11,38 Cent/SMS und 29,95 Cent pro MB zahlen würden.

Dies würde, zumindest bei SMS und Daten, eine Preiserhöhung bedeuten. Gut, dass die EU hier gleich einen Riegel vorschiebt und sagt, dass die neuen Preise inklusive der möglichen Aufschlägen die bisherigen Grenzen nicht überschreiten dürfen:

»the sum of the domestic retail price and any surcharge applied for regulated roaming calls made, regulated roaming SMS messages sent or regulated data roaming services shall not exceed EUR 0,19 per minute, EUR 0,06 per SMS message and EUR 0,20 per megabyte used, respectively«

Im Endeffekt bedeutet die für die Mobilfunkkunden, das die Telefonie im EU-Ausland ab dem 30.04.2016 günstiger werden kann, im schlimmsten Fall bleiben die bisherigen Obergrenzen auch bis Juni 2017 gültig.

Was kommt im Sommer 2017?

Ab dem 15. Juni 2017 sollen alle Roaming-Aufschläge wegfallen und die Mobilfunknutzer sollen im EU-Ausland die gleichen Preise zahlen, wie auch im Inland. Dies bedeutet auch, dass Inklusiv-Minuten und -SMS sowie das Datenvolumen, welches ohne zusätzliche Kosten im Inland genutzt werden können, ab Sommer 2017 auch im EU-Ausland zur Verfügung stehen werden. Darunter fallen alle Smartphone-Tarife mit Inklusiv-Einheiten und auch Flatrates.

Es soll allerdings eine »Fair Use Policy« gelten. Damit können Mobilfunkprovider die Nutzung der Dienste im EU-Ausland zu inländischen Preisen begrenzen. Damit soll verhindert werden, dass Nutzer eine SIM-Karte in einem anderen Land kaufen, wo inländische Preise günstiger sind, und diese dann dauerhaft auch im eigenen Land einsetzen. Entsprechende Grenzen für die Anzahl von Telefonie-Minuten, SMS und Datenvolumen wurden allerdings noch nicht festgelegt und sollen von der EU-Kommission erst noch erarbeitet werden. Zuletzt sind Kontingente von 50 Minuten für Telefonie, 50 SMS und 100 MB Datenvolumen pro Jahr (!) diskutiert worden.

Bild: iStockphoto.com/MaleWitch

 
+++ Anzeige +++