Huawei: Immer mehr Unternehmen stellen Geschäftsbeziehungen ein

Eine Zusammenfassung der letzten Tage

24. Mai 2019

Die US-Regierung hat in der vergangenen Woche einen nationalen Notstand in der Telekommunikation ausgerufen. Im Zuge dessen ist Huawei auf einer schwarzen Liste gelandet. Damit dürfen US-Unternehmen ohne einer expliziten Genehmigung keine Geschäfte mit Huawei machen. Als erstes hat Google die Zusammenarbeit mit Huawei ausgesetzt. Auch mehrere weitere Unternehmen sind dem gefolgt und haben ihre Kooperationen mit Huawei gestoppt. Wir fassen die Entwicklung der letzten Tage zusammen.

Huawei

Huawei und ihre Tochterfirmen sind auf der »Entity List«. Damit dürfen Unternehmen keine US-Technologie an Huawei verkaufen oder weitergeben, ohne einer expliziten Genehmigung seitens des US-Handelsministeriums. In der offiziellen Begründung heißt es, dieser Schritt soll die US-Technologie davor beschützen, von ausländischen Unternehmen genutzt zu werden, um die nationalie Sicherheit der USA zu unterminieren. So haben die USA in den letzten Monaten Huawei beschuldigt, für die chinesische Regierung zu spionieren. Als einen weiteren Grund nennt das Bureau of Industry and Security (BIS) in seiner Mitteilung den Verdacht auf Verstoß gegen die Iran-Sanktionen.

Bereits am Dienstag wurden die Sanktionen wieder gelockert, allerdings nur teilweise. Nun seien Geschäfte mit Huawei für 90 Tage erlaubt. Dies beschränkt sich allerdings nur auf den Bereich Telekommunikation. Der Aufschub soll insbesondere dafür sorgen, dass Mobilfunknetze, die bereits Huawei-Technik verwenden, weiterhin in Betrieb bleiben und gewartet werden können. Auch Huawei Smartphones können damit weiter versorgt werden.

Neben Google haben mehrere weitere Unternehmen ihre Geschäftsbeziehungen zu Huawei eingeschränkt oder gar gestoppt. Das gilt nicht nur für die Unternehmen aus den USA sondern auch für Unternehmen aus anderen Ländern. Offenbar gehen die Unternehmen davon aus, dass die nun dafür benötigten Lizenzen nicht erteilt werden. So haben Anfang der Woche bereits Intel, Qualcomm, Broadcom und Xilinx angekündigt, keine Chips und keine Software an Huawei zu verkaufen, wie Bloomberg berichtet.

Laut einem Bericht von BBC will auch der Chip-Designer ARM seine Geschäftsbeziehungen zu Huawei aussetzen. ARM entwirft Chip-Architektur, die in den meisten Smartphones vorkommt. das Unternehmen hat seinen Sitz in Großbritannien und gehört dem japanischen Konzern Softbank. Laut ARM beinhalten die Chip-Designs allerdings auch »Technologie mit Ursprung in den USA«, so dass das Unternehmen auch unter die Restriktionen falle. Die Kirin-Prozessoren von Huawei basieren auf der ARM-Architektur.

Und auch mehrere weitere Unternehmen folgen dem. So habe Panasonic am Donnerstag die Lieferungen einiger Bauteile an Huawei gestoppt. Ebenso hat Infineon Chip-Lieferungen an Huawei ausgesetzt. Mobilfunkanbieter in verschiedenen Ländern haben Smartphones von Huawei zuletzt aus dem Angebot genommen. Das dürfte unter anderem auch daran liegen, dass derzeit nicht sicher ist, ob Nutzer von Huawei-Smartphones künftig uneingeschränkt auf Google-Dienste zugreifen können. Auch wenn Huawei und Android letztens dies zugesichert haben und aktuell sogar Android-Updates für Huawei-Smartphones verteilt werden. In Deutschland sind die Geräte des chinesischen Herstellers weiterhin erhältlich, auch wenn die potenziellen Käufer verunsichert sind.

Ende der Woche gingen die Stopps der Geschäftsbeziehungen zu Huawei weiter. So hat die SD Association Huawei ausgeschlossen. Der Verband ist für die SD-Karten-Standards zuständig. Ob der Ausschluss allerdings auch bedeutet, dass Huawei künftig keine SD- oder Micro-SD-Karten-Slots verbauen dürfe, ist zumindest fraglich. Auf jeden Fall kann Huawei nun keine Beiträge mehr zur Standardisierung liefern und hat auch keinen Zugriff auf Spezifikation.

Zudem hat sich Huawei wohl selbst aus der Halbleiter-Standardisierungsgruppe JEDEC Solid State Technology Association zurückgezogen. Die offenen Standards darf das Unternehmen jedoch weiter umsetzen. US-Medien berichten zudem, dass Huaweis Mitgliedschaft im Wi-Fi Alliance »vorübergehend eingeschränkt« sei. Welche Folgen dies hat, ist allerdings noch unklar.

Huawei sieht im aktuellen Vorgehen der US-Regierung einen »gefährlichen Präzedenzfall«. »Es widerspricht den Werten der internationalen Geschäftswelt, unterbricht globale Lieferketten und stört den fairen Wettbewerb auf dem Markt«, sagte Ken Hu, stellvertretender Vorsitzender von Huawei Technologies, am 23. Mai 2019 auf der Potsdamer Konferenz für Nationale CyberSicherheit. Die Beschränkungen seien auf Basis unbegründeter Anschuldigungen auferlegt, um den Geschäftsbetrieb zu stören, »Wenn wir uns nicht gemeinsam mit diesen Themen auseinandersetzen, könnten in Zukunft auch jede andere Branche und jedes andere Unternehmen betroffen sein«, so Hu weiter.

Bild: Huawei-Logo auf einem Event, Foto: tarif4you.de

 
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