VDSL Vectoring

Bei einem DSL-Anschluss verringert sich die Bandbreite sowohl mit der Länge der Leitung als auch mit der Anzahl von Teilnehmern, die im selben Leitungsbündel DSL verwenden. Denn zwischen nebeneinander liegenden Kupferkabeln kommt es zu elektromagnetische Überlagerungen. Diese stören die Übertragung und sorgen für geringere Geschwindigkeiten. Mit dem Vectoring Verfahren (auch VDSL2-Vectoring genannt) soll dieses Problem behoben werden.

Nutzen der Vectoring-Technologie

Die Nutzer fragen nach immer schnelleren Internetzugängen. Die höhere Bandbreite wird für HD-Streaming, Multimedia-Anwendungen, Web-Downloads oder Cloud-Computing benötigt. Mit VDSL/VDSL2 können bereits hohe Bandbreiten über das Kupferkabel (Kupfer-Doppelader, CuDA) erzielt werden. So kann über VDSL eine Bandbreite von 25 MBit/s (Megabit pro Sekunde) erreicht werden. Bei kürzeren Entfrenungen sind auch bis zu 50 MBit/s möglich.

Grundsätzlich hätte bereits VDSL2 das Potenzial, die 100 MBit/s-Marke zu erreichen. Allerdings verringern die Störungen zwischen den einzelnen Leitungen in einem Kabel die tatsächliche Leistung. Mit VDSL2-Vectoring können solche Störungen unterdrückt werden. Theoretisch sind damit bis zu 100 MBit/s beim Download und 50 MBit/s beim Upload möglich. [1]

Vectoring wird auf der Netzbetreiber-Seite eingesetzt. Das hat den Vorteil, dass bereits in den Haushalten vorhandene VDSL2-Modems weiter genutzt werden können, wenn der Anschluss auf Vectoring umgestellt wird.

So funktioniert Vectoring

Vectoring ist eine Erweiterung von VDSL2 um das unerwünschte Übersprechen (engl.: Cross-Talk oder Far-End-Crosstalk) auf dem Kupferkabel zwischen benachbarten Teilnehmeranschlussleitungen zu verringern. Das Verfahren wurde von Alcatel-Lucent entwickelt und dient zur Unterdrückung Störungen, vergleichbar mit der aktiven Rauschunterdrückung bei Kopfhörern. Dafür werden die Störungen zwischen den VDSL2-Leitungen gemessen. Dann wird ein gegenläufiges (phaseninvertiertes) Signal erzeugt, das diese Störungen durch Interferenzen vermindert. Eine störungsfreie Übertragung des Nutzsignals führt entsprechend zu einer höheren Bandbreite.

Das Verfahren von VDSL2-Vectoring wird von der ITU-T unter der Bezeichnung G.vector oder G.993.5 normiert.

Vectoring: Schematische Darstellung
So funktioniert Vectoring: Schematische Darstellung (Bild: blog.vodafone.de)

Vectoring wird in im Rahmen eines FTTN (Fiber-To-The-Node) Ausbaus verwendet. Dabei werden Glasfasern bis zu den Standorten von Kabelverzweigern (KvZ) verlegt und für die »letzte Meile« die bestehende Kupfer-Infrastruktur benutzt. [2]

Grenzen der Technologie

Dank Vectoring kann die bestehende Infrastruktur mit Kupferleitungen mit höheren Geschwindigkeiten genutzt werden. Dies soll vor allem die Investitionskosten in eine neue Breitband-Infrastruktur gering halten. Die Technologie hat allerdings auch ihre Grenzen. So wird zwar die Geschwindigkeit an den einzelnen Anschlüssen erhöht, die Reichweite bleibt jedoch praktisch unverändert.

Vectoring setzt eine hohe Rechneleistung für eine Berechnung der VDSL-Signale in Echtzeit voraus. Daher kann an einem Kabelverzweiger nur eine begrenzte Anzahl von Teilnehmern mit VDSL2-Vecroting versorgt werden. Sollen mehr Nutzer in einem Gebiet mit VDSL2-Breitbandzugängen versorgt werden, müssen entsprechend die Kabelverzweiger ausgebaut werden.

Nach dem derzeitigen Stand der Technik ist es für VDSL-Vectoring notwendig, dass die Messung der Störungen und Erzeugung von Gegensignal auf alle Teilnehmeranschlussleitungen (TAL) eines Leitungsbündels koordiniert erfolgt. Dafür muss praktisch nur ein Unternehmen den Zugriff auf alle Kupfer-Doppeladern am KVz haben. Dadurch wird allerdings ein entbündelter Zugriff auf TAL am KvZ (so genanntes Sub Loop Unbundling, SLU) nicht mehr möglich.

Quellen

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