GPS-Standortbestimmung bald in jedem mobilen Gerät

Infineon und Global Locate entwickeln Ein-Chip-GPS-Lösung

13. Oktober 2004
Der Münchner Halbleiterhersteller Infineon entwickelt derzeit zusammen mit Global Locate eine Ein-Chip-GPS-Lösung. Damit sollen standortbasierte Dienste für Mobiltelefone und andere kleine elektronische Geräte wie Pocket-Computer oder Laptops wesentlich attraktiver werden, denn der Chip mit Empfänger und Signalverarbeitung benötigt samt Gehäuse etwa 7 mm auf 7 mm, also kaum mehr Platz als eine Handy-Taste, und verbraucht sehr wenig Strom.

Der neue Chip namens «Hammerhead» arbeitet mit dem sogenannten A-GPS-Verfahren (Assisted Global Positioning System). Man kann damit nicht nur wie mit herkömmlichen Navigationsgeräten den eigenen Standort im offenen Gelände, sondern auch in Straßenschluchten von Großstädten oder im Inneren von Gebäuden zuverlässig auf wenige Meter genau bestimmen.

Hammerhead vereint nach Angaben von Infenion zum ersten Mal auf einem einzigen Siliziumchip die beiden Komponenten eines kompletten Positionierungssystems: den Hochfrequenz-Empfänger, der die Signale der GPS-Satelliten aufnimmt und verstärkt, sowie die Signalverarbeitung, die daraus den Standort ermittelt. Hammerhead soll etwa 1000-mal empfangsstärker als heute verfügbare GPS-Empfänger sein. Mit Informationen zu Satellitenbahnen, die von den Mobilfunk-Basisstationen übertragen werden, kann der Chip die GPS-Satelliten in etwa einer Sekunde identifizieren - herkömmliche Geräte benötigen dafür oft mehrere Minuten. Bis das mit Hammerhead bestückte Handy anzeigt, wo man ist, soll es nur wenige Sekunden dauern.

Neben Geschäftsvorteilen, etwa durch standortbezogene Handy-Dienste, soll der neue Chip auch bei Umsetzung der gesetzlichen Bestimmungen helfen: So haben in den USA alle Anbieter von drahtlosen Diensten ihre Infrastruktur so umzurüsten, dass ab Ende 2005 alle von Mobiltelefonen aus getätigten Notrufe genau lokalisiert werden können. Auch in Japan müssen alle nach April 2007 verkauften Mobiltelefone der dritten Generation über die A-GPS-Funktionalität für Notrufe verfügen.

Infineon erwartet, dass schon in vier bis fünf Jahren jedes vierte neue Mobiltelefon mit Assisted-GPS ausgerüstet sein wird. Infineon und Global Locate wollen erste Muster des Hammerhead-Chip bis zum Frühjahr 2005 verfügbar haben.
 
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