Bundesnetzagentur: Erstmals mehr mobil telefoniert als im Festnetz

Jahresbericht 2018 vorgestellt

17. Mai 2019

Erstmals wurde mehr mobil telefoniert als im Festnetz. Das gab die Bundesnetzagentur bei der Vorstellung ihres Jahresberichts 2018 bekannt. Rund 119 Milliarden abgehende Gesprächsminuten mobil standen nur noch 107 Milliarden Gesprächsminuten im Festnetz gegenüber. Außerdem ist das Datenvolumen sowohl im Festnetz als auch in den Mobilfunknetzen erneut deutlich gestiegen.

Bundesnetzagentur
Bundesnetzagentur in Bonn (Foto: tarif4you.de)

Verbindungsminuten im Festnetz

Die Telefonanschlüsse werden aktuell schrittweise auf Voice over IP (VoIP) umgestellt. Dementsprechend entwickelt sich die Sprachkommunikation in den letzten Jahren über klassische Telefonanschlüsse und über IP-basierte Telefonzugänge gegensätzlich. Die Gesamtzahl der Anschlüsse ist nach Schätzung der Bundesnetzagentur in 2018 sogar leich gestiegen - auf 38,82 Millionen.

Abgehende Gesprächsminuten in Festnetzen
Abgehende Gesprächsminuten in Festnetzen (Grafik: Bundesnetzagentur)

Das über klassische Telefonnetze (Analog/ISDN) sowie IP-basierte Festnetze abgewickelte Gesprächsvolumen ist weiterhin rückläufig. Im Jahr 2018 wurden nach Einschätzung der Bundesnetzagentur insgesamt etwa 107 Milliarden abgehende Gesprächsminuten über Festnetze geführt. Dabei wurden in Festnetzen bis Ende 2018 bereits gut drei Viertel aller Gesprächsminuten IP-basiert realisiert. Als mögliche Ursachen für den Rückgang im Festnetz sführt die Behörde unter anderem eine Zunahme der Nutzung von mobilen Kommunikationsdiensten über das Internet sowie teilweise auch eine Verlagerung der Gespräche in die Mobilfunknetze auf.

Im Jahr 2018 waren schätzungsweise 91 Milliarden Gesprächsminuten innerhalb der nationalen Festnetze verblieben. Nach einer ersten Prognose wurden ca. 82 Prozent davon über Flatrates oder Pauschaltarife abgerechnet. Daneben wurden knapp 9 Milliarden Minuten in nationale Mobilfunknetze geleitet, davon ca. 25 Prozent über Flatrates. Schätzungsweise 7 Milliarden Gesprächsminuten gingen in ausländische Fest- und Mobilfunknetze.

Auf die Wettbewerber der Deutschen Telekom entfallen nach Angaben der Bundesnetzagentur dabei insgesamt etwa 53,2 Milliarden Minuten. Über alternative Anbieter mittels Call-by-Call und Preselection indirekt geführte Gespräche hatten bis Ende 2018 nach ersten Prognosen mit insgesamt 3,2 Milliarden Minuten noch einen Anteil von sechs Prozent am Volumen der über Wettbewerber abgewickelten Gespräche. Interessant: Laut Bundesnetzagentur übertraf das im Rahmen von Preselection geführte Sprachvolumen weiterhin die über Call-by-Call geführte Verkehrsmenge - trotz rückläufiger Preselection-Einstellungen im Netz der Deutschen Telekom AG.

Über alternative Anbieter geführte Gesprächsminuten
Über alternative Anbieter geführte Gesprächsminuten (Grafik: Bundesnetzagentur)

Verbindungsminuten im Mobilfunk

Ende 2018 betrug der von den Netzbetreibern veröffentlichte SIM-Karten-Bestand inkl. M2M- und IoT (Internet of Things)-Karten 137,0 Millionen (Ende 2017: 135,0 Millionen). Für die Datenkommunikation zwischen Maschinen (M2M) wurden 23,1 Millionen der SIM-Karten eingesetzt (Ende 2017: 17,6 Millionen). Demnach entfallen statistisch auf jede Einwohnerin bzw. jeden Einwohner rund 1,7 Karten. Da zweit- und Drittgeräte nicht ständig in Gebrauch sind, sei die Anzahl der ausschließlich aktiv genutzten SIM-Karten geringer.

Bei der Zählung von aktiv genutzten SIM-Karten werden Karten erfasst, über die in den letzten drei Monaten kommuniziert wurde oder zu denen eine Rechnung in diesem Zeitraum gestellt wurde. Auf dieser Basis ergab sich Ende 2018 nach Erhebungen der Bundesnetzagentur eine Anzahl von 107,5 Millionen aktiven SIM-Karten (Ende 2017: 109,7 Millionen). M2M- und IoT-Karten sind in diesen Zahlen nicht enthalten.

Fast 119 Milliarden abgehende Gesprächsminuten wurden 2018 von deutschen Mobilfunkteilnehmerinnen und -teilnehmern im Inland geführt. Erstmalig war damit das Gesprächsvolumen im Mobilfunk größer als das im Festnetz. Im mehrjährigen Verlauf setzte sich der Trend überwiegend steigender Gesprächsminuten somit weiter fort.

Kurznachrichten

Auch 2018 setzte sich der Rückgang in der SMS-Nutzung fort. Die Zahl der versendeten Kurznachrichten verringerte sich 2018 auf 8,9 Milliarden (2017: 10,3 Milliarden). Pro SIM-Karte und Monat wurden durchschnittlich etwa fünf Nachrichten versendet. Klassische Kurznachrichten per SMS wurden von Mobilfunknutzern zunehmend durch Messaging-Apps ersetzt.

Datenvolumen im Festnetz und Mobilfunk

Die Datennutzung ist im vergangenen Jahr nochmal deutlich gestiegen. Im Festnetz prognostizieren vorläufige Berechnungen bis Ende 2018 ein Gesamtvolumen von etwa 45 Milliarden GB. Dies würde einem durchschnittlichen Datenvolumen pro Anschluss und Monat von ca. 109 GB entsprechen. Bis Ende 2017 waren es noch ca. 39 Milliarden GB im Festnetz.

Und auch das mobile Datenvolumen ist nochmals deutlich gestiegen. Im Jahr 2018 wurden 1.993 Millionen GB an Daten über die Mobilfunknetze übertragen. Dies entspricht einem Zuwachs von 44 Prozent gegenüber dem Vorjahr (2017: 1.388 Millionen GB).

Datenvolumen und versendete SMS im Mobilfunk
Datenvolumen und versendete SMS im Mobilfunk (Grafik: Bundesnetzagentur)

Seit Verbraucher ihren inländischen Tarif zu gleichen Konditionen auch im EU-Ausland nutzen können, hat die Nutzung mobiler Dienste im Ausland deutlich zugenommen. Der im Ausland generierte Datenverkehr hat sich laut Bundesnetzagentur im letzten Jahr annähernd verdoppelt von 33,8 Millionen GB im Jahr 2017 auf 66,4 Millionen GB im Jahr 2018.

 
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