Streit zwischen Mobilfunk-Discounter und Telefónica

WiWo: spusu bekäme keinen Netz-Zugang als MVNO

15. August 2016

Ein Mobilfunk-Discounter aus Österreich will auf dem deutschen Markt durchstarten. Dazu will das Unternehmen das Mobilfunknetz von Telefónica nutzen. Doch der spanische Telekomkonzern würde den Discounter nicht rein lassen, berichtet die WirtschaftsWoche.

Telefónica Flaggen vor der E-Plus Zentrale
Telefónica Flaggen vor der E-Plus Zentrale (Bild: Telefónica)

Neuer Mobilfunkanbieter werde ausgebremst

»spusu« heißt der österreichische Mobilfunk-Discounter, was für »sprich und surf« steht. Das Unternehmen ist seit 2015 in Österreich mit günstigen Tarifen auf dem Markt und möchte auch hierzulande durchstarten. In Deutschland sei das mobile Telefonieren und Surfen mit LTE viel zu teuer. Daher wollte das Unternehmen schon vor der Fußball-Europameisterschaft Tarife wie zum Beispiel 3,5 GB Daten für 9,98 Euro nach Deutschland bringen, so Karl Katzbauer, Head of MVNO international bei spusu.

Als Mobile Virtual Network Operator (MVNO) verfügt spusu über kein eigenes Mobilfunknetz und ist daher auf die Kooperation mit einem Netzbetreiber angewiesen. In diesem Zusammenhang kritisiert das Unternehmen den fehlenden Marktzugang in Deutschland. Dem Bericht der WirtschaftsWoche zufolge verhandelt das hinter spusu stehende Unternehmen Mass Response bereits seit zwei Jahren mit Telefónica Deutschland, um deren Netz hierzulande nutzen zu können. Doch bislang gäbe es »keine nennenswerten Fortschritte«.

spusu Logo

Nach Ansicht des Mass Response Gründers Franz Pichler wäre Telefónica verpflichtet, spusu reinzulassen. Die EU-Kommission hatte die Übernahme von E-Plus durch Telefónica O2 im Jahr 2014 nur unter der Auflage genehmigt, »dass das Telekomkonzern das zusammengelegte Mobilfunknetz für Neulinge öffnet und einen Teil der Netzkapazitäten zu günstigen Einkaufskonditionen für Untermieter bereitstellt«, heißt es im Bericht. Bislang habe jedoch nur der Mobilfunkanbieter Drillisch eine entsprechende Vereinbarung mit der Telefónica.

Wie es in der WirtschaftsWoche weiter heißt, würde auch das Bundeskartellamt den Mobilfunkdiscounter unterstützen. »Wir würden den Marktzutritt eines virtuellen Netzbetreibers aus dem Ausland begrüßen«, heißt es in einem Schreiben der Behörde an die EU-Kommission, das der WirtschaftsWoche vorliege. Nach Ansicht der Kartellwächter sei das Verhalten von Telefónica nicht gerechtfertigt, so die Zweitschrift weiter. Es seien bisher »allenfalls geringfügige Anzeichen für eine nachhaltige positive wettbewerbliche Entwicklung erkennbar«, hieße es in dem Schreiben. spusu-Chef Franz Pichler hoffe laut dem Bericht der WirtschaftsWoche weiter auf faire Verhandlungen. Zur Not wolle er auch vor Gericht gehen und »durch alle Instanzen« kämpfen.

Bisher sei die Beschwerde des Mobilfunkdiscounters auf taube Ohren gestoßen. »Trotz mehrmaligen Einwänden, mit hinreichenden und nachvollziehbaren Argumenten, sieht die EU-Kommission derzeit offensichtlich keinen Handlungsbedarf, und das obwohl eindeutig wettbewerbshemmende Maßnahmen ergriffen werden«, heißt es in einer Pressemitteilung, die spusu am Sonntag veröffentlichte.

Stellungnahme der Telefónica

Am Montag hat auch Telefónica eine Stellungnahme zu dem Vorgang veröffentlicht. Damit antwortet der Netzbetreiber auf die Behauptung von Mass Response, »Telefónica Deutschland würde sich weigern, die Fusionsbedingungen aus dem Zusammenschluss mit E-Plus umzusetzen, was die Anbindung von Mobile Virtual Network Operators (MVNOs) betrifft«:

»Davon kann nicht die Rede sein. Gemäß diesen Auflagen bieten wir – zu mit der EU-Kommission abgestimmten Konditionen – ab 1. Juli allen interessierten Partnern Wholesale-Zugang auf unser 4G-Netz an. Wer diese Konditionen nicht akzeptiert, erhält auch keinen solchen Zugang. Mass Response selbst gibt an, dass die EU-Kommission keinen Handlungsbedarf sehe.«

Ganz unabhängig von diesem verpflichtenden Angebot ist die Zusammenarbeit mit MVNOs und Service Providern eine große Stärke und ein essentieller Teil unseres Geschäftsmodells.

Neben Drillisch können seit dem 1. Juli 2016 auch andere Mobilfunkanbieter das LTE-Netz von Telefónica in Deutschland nutzen. Neben den bisherigen Eigenmarken wie Fonic und Tchibo soll zum Beispiel auch simquadrat noch in diesem Jahr 4G/LTE Verbindungen über das Telefónica-Netz anbieten. Bisher nutzt die Mobilfunkmarke von sipgate das 3G-Mobilfunknetz von E-Plus/Telefónica.

Hintergrund zu spusu

spusu arbeitet in Österreich als virtueller Mobilfunk-Netzbetreiber im Netz von Drei. Hier bietet der Mobilfunk-Discounter unter anderem einen Prepaid-Tarif an, bei dem Kunden einheitlich 4 Cent pro Telefonie-Minute und 4 Cent pro SMS in alle Netze zahlen; die Nutzung des mobilen Internet-zugangs kostet 0,4 Cent pro Megabyte. Außerdem werden verschiedene Tarifpakete mit Telefonie-Minuten, SMS und LTE-Datenvolumen zu günstigen Preisen angeboten.

 
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